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Neue Impfleitlinien 2021

Tierheilpraxis
Veröffentlicht von in Impfen · 22 Januar 2021
Die neuen Impfempfehlungen für Hunde und Katzen

Seit Anfang des Jahres gibt es neue Impfleitlinien der StIKo Vet, der ständigen Impfkommission Veterinärmedizin. Mich interessieren dabei natürlich besonders die Änderungen im Bereich Kleintiere. Und hier natürlich die Impfungen von Hunden und Katzen.

Das ganze Dokument umfasst 189 Seiten, von denen sich 150 Seiten mit den Impfungen und Erkrankungen von Hunden und Katzen befassen 😅. Das Ganze ist sehr interessant aber auch viel zu Zeug! Deshalb gibt es hier eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Änderungen:

Was hat sich nun in der 5. Auflage der Impfleitlinien im Vergleich zur vorherigen von 2019 geändert?

Zuerst ist mir direkt die neue Optik aufgefallen. Es gibt jetzt eine „Impfampel“, bei der Tierbesitzer auf einen Blick erkennen können, welche Impfungen für alle Hunde als Schutz empfohlen werden. Und natürlich auch, welche nur unter bestimmten Voraussetzungen nötig sind bzw. vielleicht auch wirklich unnötig sind.
Diese Ampel besteht aus einem 3-Punkte-System und vereinfacht auf jeden Fall den Überblick.

Hepatitis contagiosa canis HCC (ansteckende Leberentzündung)

Bisher galt die Impfung gegen Staupe-Hepatitis-Parvovirose als Standard-Impfung für alle Hunde. Jeder kennt den kleinen SHP – Aufkleber im Impfausweis. Die StIKo Vet empfiehlt eine Wiederholungsimpfung alle drei Jahre.
In den neuen Leitlinien ist die Hepatitis-Impfung jetzt von dieser grundsätzlichen Vorgabe ausgenommen. Das heißt, es gibt mittlerweile nur noch so wenig Hepatitis-Fälle in Westeuropa, dass diese Impfung nicht mehr als unbedingter Standard empfohlen wird.

Das ist erstmal eine gute Nachricht. Allerdings mit einem kleinen Haken. Fast alle Kombi-Impfstoffe für Staupe und Parvo beinhalten als dritte Komponente den Hepatitis-Impfstoff. Es ist also zur zeit kaum möglich, auf diese Impfung zu verzichten.
Es gibt zwar auch heute schon einige, wenige (meines Wissens zwei) Impfstoffe, die nur aus Staupe und Parvovirose-Komponenten bestehen. Aber ob die bei den Tierärzten vorrätig sind, das wage ich zu bezweifeln.

Ich denke, wenn eine solche Kombi häufiger gefordert wird 😉, dann werden sich sowohl Hersteller als auch Tierärzte darauf einstellen. Bis dahin, werden wir wohl mit der bisherigen 3er-Kombi leben müssen.

Was hat sich noch geändert?

Tollwut

Die Tollwutimpfung ist seit Jahren im Gespräch. Und bei fast allen Impfgesprächen, die ich führe, kommt das Thema auf den Tisch. Ich glaube bei keiner Impfung gibt es unter den Hunde- und Katzenbesitzern so viel Unsicherheit wie bei der Tollwutimpfung. Wahrscheinlich weil wir alle mit der Angst vor dieser tödlichen Erkrankung groß geworden sind.

In vielen Orten, gerade im ländlichen Raum, findet man tatsächlich auch immer noch diese Schilder, die vielen von Euch wahrscheinlich bekannt vorkommen.

Vielleicht hält sich deshalb in den Köpfen vieler Menschen das hartnäckige Gerücht, es gäbe noch Tollwut bei uns.
Deutschland ist seit 2008 offiziell tollwutfrei!



Rosenzweig (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Schild_Wildtollwut.jpg),
„Schild Wildtollwut“, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/legalcode

Wir haben jetzt das Jahr 2021 und Deutschland, sowie alle angrenzenden Länder, bis auf Polen, sind tollwutfrei. Der letzte bestätigte Tollwutfall in Deutschland ist aus dem Jahr 2006.
Und auch in Polen gibt es nur vereinzelte Fälle ganz im Westen, im Grenzgebiet zu Weißrussland und der Ukraine.
Aus diesem Grund ist die Tollwut-Impfung jetzt auch nur noch empfohlen, für Hunde/Katzen, die über die Grenze ins Ausland reisen sollen. Ein Grenzübertritt ist nur mit gültiger Tollwut-Impfung gestattet. Ansonsten ist diese Impfung aber mittlerweile nicht mehr nötig.

So, dass diese Impfung auch in der neuen Impfampel nur zwei anstatt drei Punkte anzeigt. Also nur nötig bei Bedarf, der sich in diesem Fall auf das Reisen ins Ausland beschränkt. Bei allen anderen Hunden und Katzen kann man auf diese Impfung verzichten.

Allerdings muss ich trotzdem darauf hinweisen, dass ein geimpfter Hund bei einem Kontakt mit einem seuchenverdächtigen  oder infizierten Tier, besser gestellt ist.

Was heißt das jetzt genau?

Erstmal stell ich mir die Frage, wie soll der Kontakt zu einem infizierten Tier zustande kommen?
In einem Land, in dem es seit 2006, also vor 14 Jahren, keinen Tollwutfall mehr gegeben hat. Das scheint mir eigentlich unmöglich.

Wie ist das jetzt aber mit den  ungeimpften Hunden und Katzen aus dem Auslandstierschutz, die angeblich „unkontrolliert“ über die Grenzen kommen.
Mit diesem Argument kommen viele Hundehalter zu mir in die Impfberatung.
Wenn es tatsächlich so wäre, dann müssten doch irgendwo Tollwutfälle auftreten. Irgendwo müssen diese ungeimpften und infizierten Hunde doch sein!?

Das Gerücht hält sich wirklich sehr hartnäckig und steht im völligen Gegensatz zu der Angabe, dass Deutschland seit 2008 offiziell frei von Tollwut ist.

Diese „Tollwutfreiheit“ bezieht sich aber erstmal nur auf die sogenannte terrestrische Tollwut. Also auf die Tollwutform der am Boden lebenden Wild- und Haustiere.

Was es in Deutschland aber tatsächlich noch gibt, ist die Fledermaustollwut.

Allerdings ist die Ansteckungsgefahr für Menschen und Tiere in unseren Breitengraden ausgesprochen gering. Das liegt unter anderem natürlich auch an dem Übertragungsweg.
Der Tollwutvirus wird  bei einem Biss durch den Speichel des infizierten Tieres übertragen. Die Wahrscheinlichkeit von einer Fledermaus gebissen zu werden, die gleichzeitig auch noch tollwutinfiziert ist, ist schon mehr als gering.

Am ehesten können Katzenin direkten Kontakt mit einer Fledermaus kommen.
Aber wenn man sich die Zahlen anschaut,sieht man, dass es in Deutschland pro Jahr im Durchschnitt 10 bestätigte Fledermaus-Tollwutfälle gibt.  
Auch für Katzen ist das Risisko, von einer tollwütigen Fledermaus gebissen zu werden, sehr, sehr gering.
Und für reine Wohnungskatzen ist diese Impfung wirklich komplett überflüssig.
Grundsätzlich ist der Fledermaus-Tollwut-Virus aber eng mit dem klassischen Tollwut-Virus verwandt und löst eine tödlich verlaufende Erkrankung aus.
Laut StIKo Vet sind in ganz Europa in den letzten 50 Jahren 4 Menschen an einer Fledermaus-Tollwut-Infektion gestorben.
Im selben Zeitraum gibt es keinerlei Infektionen bei Hunden und nur zwei bei Katzen.

Aber auch hier gilt, ein geimpftes Tier ist bei einem Kontakt besser gestellt als ein ungeimpftes.

Was bedeutet das im Klartext?

Hier gibt es immer wieder Spekulationen und Gerüchte, was passiert, wenn es zu einem Kontakt kommt.
Ich versuche jetzt mal etwas Klarheit rein zu bringen, damit jeder für sich Nutzen und Risiko einer Tollwutimpfung abschätzen kann.

1.Hund/Katze ist geimpft und hat Kontakt mit einem infizierten oder seuchenverdächtigen TIer
          
Das Tier ist geschützt und darf mit behördlicher Kontrolle zuhause bleiben.


2.Hund/Katze ist nicht geimpft und hat Kontakt mit einem infizierten Tier

Die Tötung des Tieres wird umgehend angeordnet.


3.Hund/Katze ist nicht geimpft und hat Kontakt mit einem seuchenverdächtigen Tier
        
Entweder wird die sofortige Tötung angeordnet
oder
eine mindestens 3-monatige Isolation-Quarantäne.

Der einzige Schutz ist die Impfung.
In diesem Fall allerdings eine Impfung gegen eine Erkrankung, die es seit 14 Jahren in Deutschland nicht mehr gibt.

Ihr seht, die Sache mit der Tollwut ist nicht so einfach.
Wer mit seinem Tier ins Ausland reist, kommt um die Impfung nicht herum.
Bei alten oder chronisch kranken Tieren, die mit ihren Besitzern nicht reisen, würde ich grundsätzlich auf die Tollwutimpfung verzichten. Schon deshalb, weil jede Impfung eine Belastung für den Organismus ist.

Laut der neuen Impfleitlinien haben wir jetzt zwei Impfungen, die nicht mehr zum Standard-Impfprogramm gehören. Die Tollwut-Impfung lasst sich relativ leicht ausklammern. Wenn man allerdings bedenkt, wie lange es gedauert hat bzw auch immer noch andauert, den empfohlenen 3-Jahres-Rhythmus für die SHP-Impfung durchzusetzen, wird es wohl auch noch eine Weile dauern, bis es mehr Hersteller für die nun benötigte 2er-Kombi gibt.

Habt Ihr zum Thema Impfen noch Fragen? Oder braucht Ihr vor einem anstehenden Impftermin noch eine 2. Meinung?
Dann meldet Euch einfach bei mir. Ich denke gerne mit Euch gemeinsam.

Quelle: Impfleitlinie für Kleintiere    StIKo Vet am FLI    Stand 01.01.2021












Tierheilpraktikerin Maike Sauerstein        
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